Eine Erblindung ist für alle Beteiligten, sowohl für den Hund als auch für den Besitzer, zunächst ein Schock. Alle sind mit der Situation überfordert, aber man merkt recht schnell das ein Hund mit einer Erblindung gut umgehen kann, besser als wir Menschen. Die Alltagsroutine kann durch eine Erblindung stark beeinflusst und verändert werden. Mit einigen Tricks wird die Situation aber für alle einfacher.
Liebe Tieraugen-Fans,
heute möchte ich mich mit dem Thema Erblindung beschäftigen. Ein Thema, mit dem man in der Praxis immer wieder konfrontiert ist und das sowohl uns Tierärzte als auch die Besitzer vor eine Herausforderung stellt. Zunächst möchte ich kurz über die häufigsten Ursachen sprechen und euch dann ein paar Tipps mit auf den Weg geben.
Warum kommt es zu einer Erblindung?
Zunächst stellt sich dir Frage, warum kann ein Hund überhaupt blind werden. Dafür gibt es viele Ursachen. Viele können aber nicht gestoppt und damit eine Erblindung nicht verhindert werden.
Häufigsten Ursachen für eine Erblindung beim Hund
- Katarakt
- Glaukom
- Trauma
- Progressive Retinaatrophie – PRA
- Sudden aquired retinal degeneration – SARD
- Netzhautablösung
- Intraokulare Neoplasien
- Neuritis des Sehnerven
- Chorioretinitis
Wie kann ich meinen blinden Hund am besten unterstützen?
- Bewegungsfreiraum einschränken – Die meisten Hunde haben einen genauen Plan ihrer Umgebung gespeichert. Dennoch kann es in den ersten Wochen hilfreich sein, den Bewegungsradius einzuschränken. Je sicherer der Hund mit der Situation wird, umso mehr Bewegungsfreiheit kann man dem Hund wieder zugestehen.
- Keine neuen Objekte in der gewohnten Umgebung platzieren – In der Wohnung sollten die Möbel nach einer Erblindung nicht mehr umgestellt werden. Zusätzlich sollte man darauf achten, keine Gegenstände (Taschen, Einkäufe,…) einfach stehen zu lassen. Diese können blinde Hunde nur schwer wahrnehmen und sie stoßen sich daher daran häufig.
- Futter-/Wasserschüsseln sollten immer am selben Platz belassen werden. Zusätzlich kann auch über einen Trinkbrunnen nachgedacht werden. DA dieser plätschert ist er vom blinden Hund leichter zu lokalisieren.
- Fernseher oder Radio einschalten. Ist der Hund allein zu Hause, ist es immer gut für Geräusche zu sorgen, da die Schallwellen von Möbeln reflektiert werden und daher vom Hund besser eingeschätzt werden können.
- Licht anlassen. Bei bestimmten Krankheiten (z.B. PRA) kann es dem Hund auch helfen das Licht angeschaltet zu lassen, da durch eine Restsehen unterstützt werden kann.
- Anleinen beim Spaziergang. Um den blinden Hund zu schützen, sollte er/sie immer an der Leine geführt werden. Damit können Verletzungen und Unfälle verhindert werden.
- Auf soziale Interaktionen zwischen Hunden achten. Soziale Interaktion zwischen Hunden läuft oft über visuelle Reize. Ist ein Hund blind, wird diese Interaktion erschwert.
Welches Training könnte einem blinden Hund helfen?
Wenn man mit der schwierigen Situation einer Erblindung fertig werden muss, muss man das nicht allein. Sowohl wir Tierärzte als auch Hundetrainer können hier hilfreiche Ansprechpartner sein.
Wichtig ist:
- Mit Bestärkungen arbeiten
- Neue Kommandos erarbeiten
- Augenuntersuchungen zu Hause trainieren
- Andere Menschen & Hundebesitzer auf die Erblindung aufmerksam machen
- Mit Geräuschquellen arbeiten (Glöckchen an den Schuhen)
- Andere Sinne stimulieren (Massage, Geruch, Gehör, …)
- Haare in der Augenumgebung nicht schneiden, dadurch der Tastsinn unterstützt werden kann
- Schutzbrillen oder Optivisor verwenden
Habt ihr noch Tipps oder Anregungen für den Umgang mit einem blinden Hund? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar. Hast du noch Fragen zu diesem Thema, dann schreib mir eine Nachricht. Ich freue mich auf dein Feedback!
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