Liebe Tier-Augen-Fans!
Ich möchte mich heute mit einem Thema beschäftigen, mit dem wir in der Praxis immer wieder konfrontiert sind. Eine blinde Katze! Die Besitzer verzweifelt und die Katze verzweifelt.
In meinem heutigen Blogartikel möchte ich zunächst die häufigsten Ursachen bei einer blinden Katze klären und Therapiemöglichkeiten ansprechen. Kann die Sehfähigkeit nicht mehr hergestellt werden habe ich ein paar Tipps für den Umgang mit der blinden Katze für euch.
Warum kommt es bei einer Katze zur Erblindung?
Die Ursachen können vielfältig sein und in jedem Alter daherkommen. Auch bei einer jungen Katze kann sich eine Blindheit entwickeln. Wichtig ist bei einer Blindheit möglichst schnell einen Tierarzt aufzusuchen. Der Tierarzt untersucht die Katze und ihre Augen. Vielleicht wird auch zum Spezialisten weiter überwiesen. Die erste wichtige Regel in diesen Fällen ist „Time counts“. Je früher die Diagnose gestellt wird, umso früher kann die Therapie gestartet werden und die Wahrscheinlichkeit, das geholfen werden kann, steigt exponentiell. Liegt der Zeitpunkt der Erblindung Wochen oder Monate zurück, wird die Therapie und die Wiederherstellung des Visus schwierig.
Die Ursachen für eine Erblindung können sowohl im Auge ihren Ursprung haben als auch im Körper. Daher sollte einer Augenuntersuchung immer eine klinische Untersuchung vorangehen. Auch wenn offensichtlich ein Augenproblem vorliegt. Die häufigste Ursache für eine Erblindung bei der älteren Katze ist eine Hypertension. Ja richtig gehört, Bluthochdruck. Bluthochdruck hat nichts mit dem Augeninnendruck zu tun. Durch chronische Nierenerkrankungen, Herzprobleme, Schilddrüsenüberfunktionen oder auch primär kann sich ein Bluthochdruck entwickeln. Durch Effusion aus den Gefäßen wird die neuronale Retina gelöst. Diese ist dann wie ein Vorhang im Glaskörperraum hinter der Linse bereits ohne Ophthalmoskopie aus der Distanz zu sehen. Wenn der Bluthochdruck und die Ursache für diesen behandelt wird, kann sich die Netzhaut wieder anlegen und die Katze erlangt wieder ihre Sehkraft.
Einen weiteren wichtigen Punkt zur Erblindung der Katze möchte ich hier unbedingt anbringen. Eine Netzhautdegeneration infolge von einer Enrofloxacingabe. Ja richtig gehört, Enrofloxacin kann zu einer unwiderruflichen Erblindung bei der Katze führen. Nicht nur überdosiert, sondern auch in normaler Dosierung. Und auch nicht nur bei Katzen mit Nierenproblemen. Bitte überlegt euch bei Enrofloxacin Gaben immer 3x, ob ihr wirklich dieses Antibiotikum benötigt oder ob es nicht vielleicht auch eine Alternative dazu gibt.
Die Ursachen für eine Erblindung, die im Auge zu suchen sind, reichen von Linsenveränderungen (wie Katarakt oder Linsenluxationen), über Glaukom und intraokulare Neoplasien. Auch ein massives spitzes oder stumpfes Trauma des Augapfels kann der Auslöser für einen Visusverlust sein.
Was tun, wenn die Sehfähigkeit nicht mehr hergestellt werden kann?
Ist der erste Schock über die Erblindung überwunden, finden sich unsere Vierbeiner erstaunlich gut zurecht. Es gibt zur Erblindung eine Grundregel! Tritt eine Erblindung plötzlich auf, sind die Tiere am Anfang sehr verstört und brauchen 4-6 Wochen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Kommt es zu einer schleichenden Erblindung, kommen unsere vierbeinigen Freunde mit der Situation leichter klar. Was wir auch nicht vergessen dürfen, ist die Kompensation der Erblindung durch andere Sinnesorgane, wie zum Beispiel Gehör- und Geruchssinn.
Es gibt einige Verhaltensregeln, die man anwenden kann, um eine blinde Katze zu unterstützen und diese möchte ich nun erläutern. Wichtig sind das Futter und Wasserplatz nicht gewechselt werden. Katzen haben eine genaue Mindmap ihrer Umgebung abgespeichert. Plötzlich den Futterplatz zu ändern, würde die Katze in Bedrängnis bringen. Genau so verhält es sich mit dem Katzenkisterl. Auch hier sollte der Platz nicht gewechselt werden. Möbel und Inventar sollten auch nicht verschoben werden, da diese dann zum unbekannten Hindernis werden. Ist man selbst nicht zu Hause kann Radio und Fernseher eingeschalten werden. Durch die Reflexion der Schallwellen, kann sich die Katze besser orientieren. Bevor man eine blinde Katze berührt oder hochhebt, sollte sie immer angesprochen werden. Man sollte sie auch immer wieder an derselben Stelle wieder absetzen, um ihr die Orientierung zu erleichtern.
Findet sich eine Katze bei einer plötzlichen Erblindung schwer zu recht, kann es auch helfen, die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Wird die Situation für die Katze leichter kann man ihr wieder gewohnten Freiraum geben. Übrigens ist es sehr zu empfehlen den normalen Alltag und Ablauf beizubehalten. Auf laute Geräusche sollte aber so gut es geht verzichtet werden.
Petras Merksatz
Am Anfang ist jede Erblindung ein Schock, aber vor allem für uns Menschen. Unsere Katzen kommen erstaunlich gut damit zurecht und können den Verlust der Sehfähigkeit gut kompensieren.
Wichtig ist, dass man auf eine auftretende Erblindung sofort reagiert und einen Tierarzt aufsucht. Time counts! Je schneller eine Diagnose gestellt wird, umso leichter kann geholfen werden. Nach Wochen oder Monaten, die verstreichen, ist eine Erblindung irreversibel.
Ist eine Erblindung nicht mehr zu therapieren, gibt es zahlreiche einfache Möglichkeiten eine Katze zu unterstützen und ihr zu helfen.
Habt ihr noch Tipps oder Anregungen für den Umgang mit einer blinden Katze? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar. Hast du noch Fragen zu diesem Thema, dann schreib mir eine Nachricht. Ich freue mich auf dein Feedback!
0 Kommentare