TIPPS FÜR PATIENTEN

Warum braucht der Hund eigentlich keine Brille zum Sehen?

Nov. 13, 2020

Der Hund braucht keine Brille, weil Fehlsichtigkeiten beim Hund nur eine untergeordnete Rolle spielen. Konkret heißt das, das Korrekturbrillen beim Hund nicht zum Einsatz kommen. Dafür aber Schutzbrillen umso häufiger. Diese kommen bei bestimmten Krankheitsbildern und bei Rettungshunden zum Einsatz.

 

Liebe Tieraugenfans,

heute möchte ich mich mit der Sehfähigkeit beim Hund beschäftigen. Wie sieht der Hund eigentlich? Gibt es Fehlsichtigkeiten? Können Hunde Farben sehen? Lauter interessante Fragen, die ich heute versuche zu beantworten.

 

Wie sieht es beim Hund aus mit Fehlsichtigkeiten?

Im Allgemeinen sind Hunde eher kurzsichtig (ca. -0,3 D), wobei im Gegensatz zum Menschen die Fehlsichtigkeiten beim Hund sehr gering ausfallen. Daher ist auch keine Brille notwendig ????. Dennoch kann die Kurzsichtigkeit im Alter zunehmen und es hängt auch davon ab, ob ein Hund eher im Freien oder in einer Wohnung gehalten wird. Zusätzlich bestehen auch Rasseunterschiede. Zum Beispiel sind deutsche Schäferhunde, Collies und der Pudel generell kurzsichtig. Hingegen neigen der Alaskan Malamute und der Australien Shepherd eher zur Weitsichtigkeit. Fehlsichtigkeiten kommen auch dann zustande, wenn das Auge in seiner Größe nicht richtig ausgebildet ist. Hunde, die dann zum Agility eingesetzt werden, zeigen dann in manchen Situationen Probleme Hindernisse richtig einzuschätzen.

Gibt es eine Untersuchungsmöglichkeit eine Fehlsichtigkeit beim Hund zu diagnostizieren?

Sehtests gestalten sich bei unseren vierbeinigen Begleitern schwieriger als in der Humanmedizin, da der Hund die Buchstaben und Zahlen nicht von der Tafel ablesen kann. Aber mit der Retinoskopie steht uns eine Untersuchungsmöglichkeit zur Verfügung, eine Fehlsichtigkeit auch bei Hund und Katze zu diagnostizieren.

Bewegung kann vom Hund leichter wahrgenommen werden

Hunde können Bewegung sehr viel besser wahrnehmen als starre Objekte. Diese Eigenschaft machen sich zum Beispiel Beutetiere zu Nutze. Ein Reh vernimmt einen Hund in der Ferne. Es bleibt sofort wie angewurzelt stehen, weil es somit vom Hund viel schwerer gesehen werden kann. Sobald es die Flucht ergreift, kann der Hund es viel besser wahrnehmen und die Verfolgung aufnehmen. Gleich verhält es sich mit Spielzeug. Wird ein Ball geworfen, kann er im Flug besser gesehen werden, als wenn er ruhig im Gras liegt.

Können Hunde alle Farben sehen wie wir Menschen?

Zusätzlich ist zu bedenken, dass Hunde nur bichromatisch und nicht trichromatisch sind, wie wir Menschen. Man kann es sich so vorstellen, als leiden wir Menschen an einer rot-grün Sehschwäche. Aber es liegt keine generelle Farbenblindheit vor, sowie oft behauptet.

 

Petras Merksatz:

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Fehlsichtigkeiten bei Hunden eher eine untergeordnete Rolle spielen, aber doch Kurzsichtigkeiten auftreten können. Auch das Farbsehen ist bei unseren Hunden etwas eingeschränkt, im Vergleich zu uns Menschen. Aber kein Grund zum Mitleid! Hunde haben ein deutlich besser ausgeprägtes Dämmerungssehen und ein viel größeres Gesichtsfeld (bis zu 240 Grad) als wir Menschen.  Zusätzlich kann der Hund visuelle Defizite hervorragend durch Geruch- und Gehörsinn kompensieren.

Ich hätte aber zum Schluss noch eine Anmerkung. Hast du als Besitzer das Gefühl, dass der Hund oder die Katze tollpatschig ist oder häufig gegen Gegenstände läuft, sollte immer eine Augenuntersuchung durchgeführt werden. Der erste Schritt ist immer ein organisches Problem aus zu schließen. Erst dann kann von einer Tollpatschigkeit ausgegangen werden.

 

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