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Wenn die Linse nicht mehr in Position ist!

März 16, 2021

Heute möchte ich mich mit der Linsenluxation beschäftigen. Bei einer Luxation der Linse kommt es zu einer Positionsänderung der Linse. Durch diese kann ein erhöhter Augeninnendruck entstehen und dadurch wird die Linsenluxation zum Notfall. Welche Arten von Luxationen es gibt und welche Therapieansätze vorhanden sind, werde ich heute mit euch besprechen.

Liebe Tier-Augen-Fans,

Bei der Linsenluxation unterscheiden wir zwischen einer primären und einer sekundären Linsenluxation. Bei der primären Linsenluxation ist die Fixierung über die Zonulafasern nicht adäquat ausgebildet und es kommt zur Luxation. Bei der sekundären Linsenluxation liegt immer eine andere Augenerkrankung der Luxation zu Grunde, zum Beispiel ein Glaukom oder eine Uveitis. Primäre Linsenluxationen kommen häufiger beim Hund und sekundäre häufiger bei der Katze vor. Eine Prädisposition zeigen Terrier Rassen.

Eine Luxation kann entweder in die Vorderkammer oder in den Glaskörperraum erfolgen. Fällt sie in den Glaskörperraum, macht sie dort leichte Entzündungen. Wenn die Linse aber nach vorne luxiert, wird auf der einen Seite das Hornhautendothel geschädigt und auf der anderen Seite verschließt der Glaskörper (der hinten an der Linse haftet) die Pupille (Seclusio pupillae) und es kommt zum Glaukom. Das Glaukom ist auch der Grund, warum eine Linsenluxation ein Notfall ist und möglichst rasch operiert werden sollte. Dafür hat man nicht zu lange Zeit, da ein länger anhaltendes Glaukom die Netzhaut unwiderruflich schädigt.

Ist die Linse in der Vorderkammer luxiert, sollte eine Linsenentfernung durchgeführt werden. D.h. die Hornhaut wird ungefähr über 180 Grad eröffnet und mit einer Linsenschlinge wird die Linse herausgehoben. Anschließend muss die Hornhaut wieder vernäht werden. Da die Hornhaut sehr großflächig eröffnet wird, kommt es zu einer massiven intraokularen Entzündung. Diese Entzündung bedarf einer Dauertherapie und regelmäßigen Kontrollen. Erfolgt dies nicht, kommt es aufgrund der chronischen Entzündung häufig zur Bildung von fibrovaskulären Membranen. Diese verschließen ebenfalls den Kammerwinkel und es kommt zum Glaukom. Am besten wäre es die Linse in einer Subluxation mit einer Phakoemulsifikation zu entfernen. Die Kapsel wird dabei mit einem Kapselspannring fixiert und anschließend wird die Phakoemulsifikation durchgeführt. Dies ist die weniger invasive Methode und hat eine deutlich bessere Prognose.

Ist keine Operation möglich, sollte die Linse in den Glaskörperraum gestoßen werden, um ein Glaukom zu verhindern. Hierfür wird das Tier mit einer Mannitol Infusion entwässert und die Pupille weit gestellt. Dann wird in Sedierung mit einem Stieltupfer die Linse in den Glaskörperraum verlagert. Im Anschluss sollte die Pupille mit einem Prostaglandinanalog eng gestellt werden. Damit kann zwar die Linse nicht entfernt werden, aber zumindest ein Glaukom verhindert werden.

Petras Merksatz:

Linsenluxationen sollten rasch erkannt werden und dann umgehend einer Operation unterzogen werden. Am besten wäre es, wenn man die Linse mit einer Phakoemulsifikation entfernt, bevor sie luxiert. Hierfür müssen aber Subluxationen wahrgenommen werden. Besonders bei Rassen, die eine Prädisposition für eine primäre Linsenluxation zeigen. Ist die Linse luxiert, sollte sie möglichst rasch zur Gänze entfernt werden. Wird die Operation in einem angemessenen Zeitrahmen durchgeführt, kann es trotzdem noch immer zu Komplikationen kommen. Ist keine Operation möglich, sollte die luxierte Linse in den Glaskörperraum gestoßen werden.

Habt ihr noch Tipps oder Anregungen zum Thema Linsenluxation? Oder vielleicht einen interessanten Fall, den du mit mir teilen möchtest? Dann hinterlasse mir gerne deinen Kommentar. Hast du noch Fragen, dann schreib mir auch gerne eine Nachricht. Ich freue mich auf dein Feedback!

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